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MASCHA KALÉKO:
Galizien - Berlin - New York - Jerusalem
von Iris Weiss
"Ich
habe einen neuen Namen. Ich heiße nicht mehr Aufen" - erinnert sich
Edith Lewin an eine Bemerkung ihrer ehemaligen Schulkameradin Mascha
Kaléko. Den Makel der unehelichen Geburt, ihr richtiges Geburtsdatum und
die ostjüdische Herkunft wird sie ihr Leben lang verborgen halten.
Am
7. Juni 1907 wird sie 50 Kilometer östlich von Krakau in Galizien
geboren, "in einer kleinen, klatschbeflißnen Stadt, Die eine Kirche,
zwei bis drei Doktoren Und eine große Irrenanstalt hat". Schon als Kind
erlebt sie die erste Flucht vor Pogromen. Zu Beginn des Ersten
Weltkriegs kommt die Familie nach Deutschland. Der Vater wird als
feindlicher Ausländer interniert, die Mutter muß zwei Kinder alleine
durchbringen. Nach dem Krieg zieht die Familie ins Berliner
Scheunenviertel hinter dem Alexanderplatz. Der Vater versucht die
Familie als Händler zu ernähren. Mascha Kaléko besucht zunächst die
jüdische Mädchenschule . Später beginnt sie eine Büroausbildung im
Arbeiterfürsorgeamt, einer Anlaufstelle, die Hilfe speziell für
ostjüdische Zuwanderer anbietet. Nebenbei bildet sie sich in Psychologie
und Philosophie fort und schreibt Gedichte. 1928 heiratet sie den
Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko.
Ab
1930 wird sie durch ihre spritzigen und humorvollen Zeitungsgedichte in
der "Vossischen Zeitung" und im "Berliner Tageblatt" bekannt. Mascha
Kaléko beschreibt die Lebenswelt der kleinen Leute und fängt die
Atmosphäre im Berlin der zwanziger Jahre ein. Schnell wird sie einem
großen Publikum bekannt und verkehrt im Romanischen Café, einem der
Treffpunkte der literarischen Prominenz wie Erich Kästner, Kurt
Tucholsky und anderen. 1933 erscheint beim Rowohlt Verlag ihr erster
Gedichtband "das lyrische Stenogrammheft" und zwei Jahre danach "das
kleine Lesebuch für Große".
In
dem Dirigenten und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver findet Mascha
Kaléko ihre große Liebe. 1938 heiratet sie ihn nach der Scheidung von
Saul Kaléko. Durch eine Bürgschaft der Warburgs wird ihnen und dem
gemeinsamen Sohn die Emigration nach New York ermöglicht. Den Unterhalt
der Familie erarbeitet Mascha Kaléko durch Reklametexte. Außerdem
unterstützt sie ihren in praktischen Lebensdingen wenig geschickten Mann
beim Versuch, eine Karriere aufzubauen. Das mühsame Emigrantendasein
zehrt an ihrer schon angeschlagenen Gesundheit. Auch Hoffnungen auf
Arbeitsmöglichkeiten für den Mann im Bereich Filmmusik zerschlagen sich,
weshalb die Familie nach kurzem Aufenthalt in Hollywood wieder nach New
York zurückgeht.
Durch die Erfahrung der Entwurzelung verändert sich der Ton ihrer
Gedichte. Anklage, Bitterkeit, Sehnsucht nach der verlorenen Heimat aber
auch religiöse Motive finden sich in den Zeilen aus dieser Zeit. 1956
kommt sie erstmals wieder nach Berlin, wo ihr vier Jahre später der
Fontanepreis überreicht werden soll und zwar von einem ehemaligen
Nazifunktionär, weswegen Mascha Kaléko die Auszeichnung ablehnt.
Die besseren Arbeitsmöglichkeiten für die musik- wissenschaftlichen
Forschungen ihres Mannes im Bereich chassidischer Gesänge bedingen im
gleichen Jahr eine Übersiedlung nach Jerusalem. Mascha Kaléko jedoch ist
aufgrund mangelnder Kenntnisse der Landessprache völlig isoliert. In
Israel ist sie völlig unbekannt. Zwei Jahre später stirbt plötzlich in
New York ihr Sohn und 1973 Chemjo Vinaver. Nach langem Verstummen
schreibt sie erst wieder während ihres letzten Lebensjahres. Während
eines Europaaufenthaltes stirbt sie 1975 in Zürich und wird dort auf dem
jüdischen Friedhof begraben.
Stadtführung zu Lebensorten
von Mascha Kaléko
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